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| Grachten, Gebräu und Kanäle |
Etwas eng mit den Falträdern... |
In den Niederlanden gibt's... |
Die erste von vielen Klapp-... |
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Pfingstradtour vom 17. Mai bis zum 2. Juni. Die diesjährige Pfingstradtour begann mit einigen Grachten in den Niederlanden, endete an einem Kanal in Frankreich, und zwischendrin lag Belgien, wo es einiges Gebräu gab (aber nicht nur dort). Das Treffen mit der Pfingstgruppe klappte nach vielen Jahren wieder einmal, ich hatte ein hübsches Haus auf Schiermonnikoog dafür reserviert. Klar, dass es im Anschluss eine Radtour geben sollte. Das nächste Treffen stand aber schon ein Wochenende später an, und zwar mit dem französischen Teil der Familie, schon ziemlich im Süden Frankreichs. Da lag es also nahe, die Radtour noch um eine zweite Woche auszudehnen. Gestartet, sind wir tatsächlich schon am Donnerstagabend, dem 16. Mai, und zwar mit einem Nachtzug auf Nordkurs. Mit ein paar Mal Umsteigen landeten wir schliesslich in Groningen wie vorgesehen, geschlafen haben wir auch ganz gut, nur günstig war es nicht gerade. Aber so konnten wir ausgeschlafen noch am Freitag ganz bequem zur Fähre bei Lauwersoog radeln, das Haus beziehen und noch was zu Essen einkaufen. Die Tage in Schiermonnikoog verstrichen ohne viel Stress mit etwas Birdwatching in den Poldern, Besuche an den Stränden, sowie Beerwatching im Marlijn. Am Pfingstdienstag durften endlich die Reifen strapaziert werden, mit einem späten Start sollte es nicht weiter als Harlingen gehen. Das rollte recht flott, wir hatten Rückenwind, ganz anders als die kommenden Tage. Meist folgten wir direkt dem Deich, eine lange Strecke aber auch auf einem alten Deich im Inland. Der war merkwürdig, alle Häuser waren auf die ehemalige Seeseite gebaut, mit Untergeschossen am Deichfuss. Was hätten die nasse Füsse bekommen... In Harlingen gingen wir recht früh essen, was ein Glück, denn um sieben Uhr machte alles dicht, und auch bis dahin gab's nur Kibbeling, das niederländische Gegenstück zu den Fischknusperli. Das ist keine kleine Stadt, aber alles wirkte wie ausgestorben. Vielleicht das Vobild einer friesischen Stadt, mit Hafen und hübschen Häuschen ohne Gardinen, aber die nächsten Tage gab's das noch viel zu sehen. Am Mittwoch gab's schon die typische Hollandtaufe: Nieselregen und Gegenwind. Wir brachen extra früh auf, um einen Bus bei Zurich (das heisst wirklich so) zu erreichen, der derzeit für Velofahrer als Ersatz fährt, der Radweg über den Afslutdijk war wegen Bauarbeiten gesperrt. Das klappte auf den etwa 15 Kilometern grade so, die Durchschnittsgeschwindigkeit war miserabel, hinter dem Deich konzentrierte sich der Wind wie in einer Düse. Jenseits in Den Oever gab's zwar immer noch kein Frühstück, aber mit dem Wind wurde es erträglicher, da wir ins Inland fuhren, und ab und an doch mal ein paar Hecken rumstanden. Heute wurde mir auf dem Handy zunächst der Datenempfang verweigert, so waren wir auf die Navigation per Wegweisern angewiesen. Ganz einfach war das auch nicht, da werden Knotenpunkte (Knooppunts) definiert und ausgeschildert, bei denen man erstmal gar nicht richtig weiss, wo sie überhaupt liegen. Dann scheinen auch nur die Knooppunts für die nächsten 10 oder 20 Kilometer vermerkt zu sein, insbesondere wenn man in der Nähe einer Provinsgrense ist (jenseits scheinen wohl andere Knooppuntsdefinierer tätig zu sein). Jedenfalls orientierten wir uns mit Erfolg und vielleicht ein paar Umwegen in Richtung Süden, und trafen bald mehr oder minder gewollt in Hoorn ein. Das lohnte sich auch , denn dort war es nicht nur schön, sondern auch belebt, und wir konnten ganz gut zu Mittag essen. Nach Edam, unserem Tagesziel, verfehlten wir wieder mal die beste Route, und kamen so eher auf der Strasse dahin. Dafür wurde am Abend das Wetter wieder gnädig, und ein hübsches und freundliches Hotel hatten wir auch. Am Donnerstag stand eine längere Etappe nach Delft an. Dabei muss man erst mal durch Amsterdam, und dann durch viele Industriestädte, Delft selbst ist eigentlich ein Stadtteil von Rotterdam - aber ein hübscher. Mit den guten Radwegen ist das aber alles kein Problem, an einem ruhigen Kanal fährt man - trotz Rushhour - nach Amsterdam rein, und mit einer kostenlosen Fähre über den Nordzeekanal ist man schon mittendrin, nämlich am Hauptbahnhof. Zwischendurch gab's dann schon mal ein bisschen Verkehr, aber dann führte die Route wieder durch's Amsterdamer Bos (es gibt hier tatsächlich Wald), und dann an nicht endenden Kanälen weiter nach Süden. Man vergisst allerdings nie, wie dicht alles besiedelt ist, rechts war lange der Flughafen, und neben schnuckligen Wohngebäuden am Kanal gab's auch plattenbauartige Siedlungen. Richtig unhübsch war es in Leiden, aber Delft war dann schon nicht mehr weit. Delft ist jetzt der Kontrast zu den ganzen Industrie- und Hafenstädten, wo die Flodders zu Hause sind, das Stadtbild ist von Studenten aus betuchtem Hause, sowie internationalen Touristen geprägt. Zurecht, denn es hat ein super hübsches Stadtbild mit alten Häusern, Plätzen aus Backstein, sowie einigen reich bemalten Fassaden. Leider stören Autos, das Befahren wird hier weniger streng gehandhabt als anderswo. Wir hatten ein ganz nettes Hotel und gingen am Abend eher ungewollt recht teuer kambodschanisch essen. Das war nicht so schlimm, aber wir hatten unterwegs wieder Snacks mit dem Brennwert eines Sacks Grillkohle gegessen, und es hätte weniger sein dürfen. Am Freitag brachen wir sehr früh auf, für den Nachmittag waren Schauer angesagt. Die kamen auch recht pünktlich, wir leider etwas spät in Middelburg an. Dort mussten wir zum Glück nur teilweise nass nochmal fast 2 Stunden in einer Kneipe absitzen, denn die Gastgeber bestanden auf der Check-in-Zeit von 16:00 Uhr, obwohl sie hinter der Tür sassen. Deutsche Genauigkeit ist also noch leicht zu toppen. Zwischendrin haben wir allerdings viel Interessantes und auch Schönes gesehen. Erst kamen wir an die Maas, die mit einer Fähre überquert wird. Praktisch das Ende des Rheins, an dessen Anfang war ich ja noch vor ein paar Monaten. Danach folgten Hafenanlagen, und später insbesondere die riesigen Bauten des Scheldesperrwerks, die dabei helfen, dass der grosse Teil der Provinz Zeeland unter dem Meeresspiegel liegt. Zwischendrin gab's immer mal mehr oder minder zweckmässige oder auch hübsche Dörfer für die Verköstigung. Middelburg selber war zwar schön und hat einen eigenartig schneckenförmigen Grundriss, aber gerade im Vergleich zu Belgien wirkte es doch relativ nüchtern und tot. Vielleicht lag's auch nur am anhaltenden Regen am Nachmittag, dass es eher ruhig war. Der Regen hielt noch den ganzen Morgen an, drum schoben wir die Abfahrt am Samstag immer wieder raus, und kamen erst gegen Mittag zur Fähre über die Westerschelde bei Vlissingen. Die Strategie ging auf, das Wetter wurde immer freundlicher, und am Nachmittag radelten wir in Belgien an schönen Kanälen nach Brügge rein. Das Ambiente wurde auch immer freundlicher, in den Niederlanden war es immer sehr ruhig, in Belgien hingegen war gefühlt an jeder Kreuzung ein gut besuchtes Gasthaus. Brügge war auch gut besucht. Wir hatten trotz des späten Starts noch viel Zeit, es war eine kurze Etappe gewesen, und liefen etwas planlos durch die Stadt, dabei die Haupt-Touristenströme meidend. Gutes Bier gab es überall, ein gutes Restaurant suchten wir aber lange, und wurden dann dich nicht belohnt. Ist eben doch ziemlich touristisch in Brügge. Mit den hübschen Radwegen war es südlich von Brügge leider vorbei, am Sonntag folgte eine recht hässliche Etappe nach Lille. Durch nicht enden wollende Strassenkäffer kamen wir immerhin schnell vorwärts, anhalten wollten wir nirgends so richtig, ausser wir brauchten was zum Frühstück oder einen Kaffee. Das Ziel war heute wieder, vor den für den frühen Nachmittag angkündigten Gewittern anzukommen. Auch dieses Kalkül wäre aufgegangen, wäre mir nicht kurz vor Lille noch ein Pedal abgebrochen. Die letzten Kilometer zogen sich dann, teils tretend mit einem Bein, aber wenn's nur leicht bergauf ging, war Schieben angesagt. So kamen wir in ein paar hefitge Gewitter, aber dank Dachnähe konnten wir sie jeweils aussitzen. In Lille blieb sowieso viel Zeit, unser gebuchtes Apartment direkt im Bahnhofsviertel war wieder mal keine Minute vor 4 bezugsfertig. So konnte ich schon mal die Reparatur angehen. Ein neues Pedal zu bekommen, war wohl das kleinere Problem am nächsten Montagmorgen (auch wenn auch in Frankreich die Fahrradläden montags meistens geschlossen sind). Erstmal ging's drum, den verbliebenen Achsstummel aus dem Gewinde zu popeln, was letztlich mit Hilfe einer Bastelschere klappte. Das Pedal bekam ich am nächsten Morgen bei einem Bastler direkt am Bahnhof sogar aus der Restekiste geschenkt, also konnte es weiter gehen. Zunächst konnten wir aber in Lille noch am Abend mit Joëlle und Pierre essen gehen und um die Häuser streifen, das Wetter war wieder besser geworden. Auf dem weiteren Weg nach Süden wollten wir uns die Tortur, durch Paris zu fahren, sparen, und stiegen drum am Montag erstmal in den TGV. Der Bahnhof Chessy - Marne-la-Vallée östlich von Paris war das Ziel, da wo das Disneyland liegt. Die Rechnung ging allerdings nicht so richtig auf, auf allen halbwegs direkten Strassen herrschte höllischer und extrem rücksichtsloser Verkehr. Die Lösung lag dann darin, dass wir, grosse Umwege in Kauf nehmend, über viele Dörfer fuhren. Das ging gut bis Melun, da konnten wir nicht mehr sinnvoll vorbei. In der ganzen Stadt stand aber der Verkehr, so dass es immerhin nicht allzu gefährlich war, nur die Bürgersteige waren halbwegs frei. Jenseits ging es mit dem üblen Verkehr weiter, aber irgendwann konnten wir auf Waldwege im Fôret de Fontainebleau ausweichen. Das waren zwar häufig Schotterstrassen, aber es lohnte sich dennoch, und war sogar ganz hübsch. In Fontainebleau waren wir aber erst recht spät, so dass wir das Schloss nur von aussen sahen, aber die Pizza im italienischen Restaurant vor dem Tor war sehr gut. Manchmal macht man eben auch Etappen, um einfach von A nach B zu kommen, ohne dabei besondere Highlights zu erwarten oder überraschenderweise zu erfahren. Dieser Dienstag nach Orléans war einer dieser Tage, wie der vorherige auch. Viel Verkehr, Nieselregen, flaches Land... Dem Verkehr konnten wir wieder mit vielen Umwegen über kleine Dörfer meist entkommen, und die nette Bäckerei im sonst wohl nicht viel von Touristen besuchten Ascoux war vielleicht doch ein kleines Highlight. Orléans selbst scheint zu den nicht-so-Highlights zu gehören. Wenigstens gab's am Ufer der Loire kein so richtiges Leben, und auch die Innenstadt wirkte ausgestorben. Letztlich assen wir Galettes in einem bretonischen Restaurant, das war nett, aber nicht sehr typisch. Wie man vielleicht raushören kann, hatte sich das Wetter unserer Pfingsttour von sonnig und warm zu einer regnerischen, kühlen und windigen Wetterlage entwickelt. Da für den Mittwoch viel Regen angesagt war, beschlossen wir, mal einen Pausentag einzulegen, und erst am Nachmittag mit dem Zug zum Etappenziel Romorantin-Lanthey zu fahren. Letztlich blieb es zwar trockener, als vorhergesagt war, aber der Pausentag hat auch einmel gut getan. In Orléans besuchten wir ein bisschen die Stadt und vor allem das Museum der bildenden Künste. In Romorantin-Lanthey gingen wir kaum vor die Tür, da regenete es nämlich wirklich stark. Viel zu sehen gab es aber nicht, es war einfach ein kleines, unauffälliges Städtchen. Am Donnerstag gelangten wir, endlich, an den wahrscheinlich einzigen Radweg im zentralen Frankreich, der irgendwelchen Standards entspricht. Dieser führt am Canal de Berry entlang, der für die Schiffahrt schon lange aufgegeben wurde, aber von einer Initiative werden die Treidelpfade wieder gepflegt und ausgebaut. Als wir an den Kanal kamen, war es echt eine Erlösung, guter Asphalt, ausreichend breit, wenige Fussgänger, und sogar Rastplätze mit Bänken und Fahrradwerkzeug (ok, ich übertreibe, das gab es genau einmal am Anfang). Unser Ziel war heute Bourges mit der berühmten Kathedrale. Hinter Romorantin-Lanthey fuhren wir ein Weilchen über Dörfer, bis wir bei Châtres-sur-Cher auf den Radweg trafen. Die Cher ist der Seitenfluss der Loire, dem wir die nächsten beiden Tage gefolgt sind, der Kanal läuft meistens in der Nähe ihres Betts. Die Kilometer gingen dann relativ flott vorbei, und in der Nähe von Bourges war es mit dem Radweg schon wieder vorbei - erst fehlte die Qualität des Wegs, dann auch die Beschilderung. Aller Anfang ist eben schwer, wenn man Radwege bauen will. In Bourges hatten wir noch genug Zeit, die Stadt und die Kathedrale zu besichtigen. Auf der Fahrt waren wir troclen geblieben, aber am Nachmittag und Abend gab es ein paar Gewitter - nicht so schlimm, wir konnten immer irgendwo rein. Am Freitag stand schon die Schlussetappe an. Ziel war das Örtchen Rouéron, eigentlich nur ein Gehöft, glücklicherweise direkt an "unserem" Canal de Berry gelegen. Unglücklicherweise gibt's den Kanal über weite Strecken nicht mehr, verlandet, überbaut, vergessen... Jedenfalls mussten wir uns in bewährter Manier über die Dörfer bis nach Saint-Amand-Montrond schlagen, um an den Kanal zu kommen, gut zwei Drittel der Strecke. Das war eigentlich sogar ganz nett, kleine Bäckereien und Kaffeestopps, in einem Dorf, das nur aus einer Kirche bestehen zu schien, kamen wir mit dem Wirt ins Gespräch, und sassen so mehr oder minder zufällig einen kräftigen Regenguss aus. Im Anchluss am Kanal war es wieder sehr nett, der Kanal kreuzt die Cher in Form einer Brücke, und das Kanalumfeld war gepflegt und es was offensichtlich, dass es zur Naherholung fungiert. Ausserdem immer spannend zu sehen, wieviel Aufwand so ein Kanal bei Bau und Unterhalt gemacht haben muss, mit allen Befestigungsbauwerken, Dämmen (manchmal liegt er gut 20 Meter höher als die danebenliegende Cher), Schleusen etc. Freitagabend bis Sonntag verbrachten wir im Familienkreis, bescheidene 26 Personen, in einem ehemaligen Gehöft namens Ruéron. Neben Kochen, Essen und Spülen gab's auch einige Aktivitäten zu verzeichnen, zum Beispiel ein Besuch im Fôret de Tronçais, in dem viele kapitale Eichen stehen. Am Sonntag gab es eine letzte kleine Etappe zum Bahnhof in Montluçon, von wo aus es mit vielen verschiedenen Zügen nach Hause ging. |
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